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Montag, Juli 28, 2008

auf zum nachbarn

mit lucho zum rennen nach chimbote
die erste etappe von trujillo aus, fuehrte uns weiter durch die wueste nach norden. nach zwei tagen, an denen wir mit rueckenwind und begleitet von lucho(dem vater des "casa de ciclistas" in trujillo) auf seinem rennrad viele kilometer fuhren, war diese einoede dann vorbei. fuer uns langzeitradler war es eine ganzschoene umstellung mit dem "sprinter" unterwegs zu sein - es ist eben doch was anderes gemuetlich ueber den tag verteilt 130 kilometer zu fahren, als die selbe strecke trainierend in maximal 4 stunden zurueck zu legen. in chimbote liessen wir lucho zurueck, da er an einem radrennen teilnahm - wir sahen ihn spaeter noch einmal im renn- pulk an uns vorbeisausen.



in lambayeque statteten wir dem "señor de sipan" im fuer uns beeindruckensten museum perus noch einen besuch ab. dieser herr wurde in einer gigantischen pyramide aus lehmziegeln gefunden, die aus einer epoche vor den inkas stammt. damals war er wohl der herrscher ueber ein sehr grosses reich und wie so oft, ist nicht ganz klar, warum sein volk zu grunde ging. heute liegt er mitsamt all seinen grabbeigaben und vorgaengern in einer modernen museumspyramide.

heiss und heisser bis jaen. die raeder haben pause
nun waehlten wir einen eher unueblichen weg: durch den "bosque seco" (trockenen wald) wieder in die anden hinauf. in motupe quartierten wir uns in einem hotel ein, um der dort herrschenden heuschreckenplage nicht direkt ausgeliefert zu sein: ueberall schwirrten fingergrosse heuschrecken in grossen schwaermen durch die luft und am naechsten morgen waren die strasse uebersaet mit kleinen haufen toter tiere - sehr skurril. weiter ging es ueber einen recht niedrigen pass zum queren der anden. es wurde immer heisser. gegen einen starken wind antretend folgten wir einem flusslauf und stellten fest, dass dieses trockene tal nicht unsere preferierte landschaft ist! zudem hielt sich sogar in der nacht das thermometer auf ueber 25 grad.



in jaen besuchten wir das casa de ciclista von miguel und seiner familie. an sich hat die doerflich wirkende stadt, inmitten des reisanbaugebietes, nicht viel zu bieten, so waren wir froh den familienanschluss hier zu haben. mit vorschussvertrauen der bisher hier eingekehrten radler liessen wir fast unser gesamtes gut und habe bei ihnen und bestiegen einen bus, der uns nach tarapoto im oberen amazonasgebiet brachte. hier besuchten wir waman wasi, unser letztes projekt in peru, das zur staerkung der lokalen kultur arbeitet.



auf zum nachbarn
aus dem regenwald kommend fuhren wir mit diversen sammeltaxis nach chachapoyas: hier verbringen nachbarn von simons eltern, capy, heribert und miguel, jaehrlich den sommer bei ihrer familie. dieses jahr haben wir ihre zweiten heimat kennengelernt und mit ihnen ein paar schoene tage verbracht. auch wenn wir viele nette menschen unterwegs treffen und schoene momente mit diesen verbringen, so ist es doch etwas anderes, freunde von zu hause zu treffen, mit denen man vom ersten moment an weiss, welche themen es gemeinsam gibt und welchen humor der andere hat. wir haben neuigkeiten und alte gruitener geschichten ausgetauscht und viel gelacht. in einem familienausfug haben wir die groesste attraktion der gegend gemeinsam besucht: die ruinen von kuelap. hier lebte in einer festung oben auf dem berg eine andere vorinkakultur und beherrschte die region. sie sind hauptsaechlich den von den spaniern mitgebrachten krankheiten zum opfer gefallen - heute gibt es die kultur der chachapoyas nicht mehr. als sich unsere wege wieder trennten, waren alle etwas traurig, doch wir werden uns ja bald wieder sehen!



zurueck in jaen haben wir unsere raeder neu bepackt, um die letzten peruanischen kilometer zu fahren....



zur FOTOUEBERSICHT des eintrags

zur diashow des eintrags:
PERU: trujillo - jaen - chachapoyas - jaen
(07.2008)

Freitag, Juni 06, 2008

die uralten falten der anden

nachdem wir uns einigermassen fit fuehlten, verliessen wir ayacucho, um uns auf die weitere etappe zu begeben... doch bereits nach zwei tagen musste simon bei jeder kleineren steigung auf britta warten, die zwar oben ankam, aber dafuer deutlich laenger brauchte als gewoehnlich. so entschieden wir uns zum ersten mal auf dieser reise uns zu trennen: simon radelte eifrig weiter, waehrend britta sich mit autos von einem zum naechsten oertchen fahren liess. es war ein sehr trauriger moment, als simon alleine um die ecke fuhr, denn beide wollten wir natuerlich viel lieber gemeinsam die kilometer im heissen flusstal fahren. britta quartierte sich in einem einfachen zimmer in huancayo ein und war voelligst ueberrascht, als simon bereits am folgenden mittag eintraf: er hatte einen rueckfall und war nun genau so krank wie sie. gemeinsam kurrierten wir uns die folgenden tage in huancayo aus, nachdem wir den doktor aufgesucht hatten... so verstrichen weitere 5 langweilige tage, die aber noetig waren.



weiter ging es ueber die puna - wir liessen es zwangslaeufig erstmal sehr langsam angehen. fuer uns war es wichtig, erstmal wieder voelligst gesund zu werden und unsere entwoehnten beine dankten es uns. wir waehlten einen kleinen umweg, der uns durch touristisch weniger frequentierte doerfer brachte, dafuer fuhren wir auf einsameren und auch holperigeren strassen. als wir ploetzlich an einem schild vorbei kamen auf dem stand "die groesste hoehle suedamerikas" hielten wir an und traten ein: eine riesige hoehle, die durch kleine dunkle gaenge 300 meter ins innere des berges begehbar ist... weiter koennte man tauchen... es heisst, hier habe sich, als die inca kamen, die lokale bevoelkerung versteckt. als die maenner nicht von den kaempfen zurueckkamen haben die alten, frauen und kinder soviel geweint, dass noch heute ein fluss aus dem bergesinneren fliesst und sie selber erstarten zu den stalagtiten und stalagniten, die heute noch sichtbar sind.

die nacht verbrachten wir an einer kurriositaet: ein salzbrunnen auf ueber 4000 meter hoehe. der salzanteil im wasser ist hoeher als der der meere und dient seit generationen zur salzgewinnung. wir radelten nach einer kalten nacht weiter, hoeher hinauf, vorbei am lago de junin, die gegend in der die wunderknolle maca ("viagra der anden") ihr zu hause hat. am morgen starteten wir bei 2 grad mit dichtem nebel, auf 4200m ueber dem meer und am abend kamen wir nach einer ueber 100km langen seichten abfahrt im nur noch 1800m hohen huanuco an.

huanuco, die augenbraue des urwaldes, oder die stadt mit dem besten klima der welt - wie sie uns mit einem grossen schild am ortseingang mitteilten. hier bekam britta ein neues tretlager, vermutlich das einzige, das in der stadt zu kaufen war! so legten wir einen ruhetag ein, um fuer den naechsten streckenabschnitt, der uns zunaechst die 2000 hoehenmeter wieder bergauf fuehrten sollte, geruestet zu sein. wir freuten uns beide, dass wir wieder mit appetit assen und dass die portionen wieder normale groesse hatten. wahrscheinlich ist es gut mal krank zu sein, um die gesundheit wieder schaetzen zu koennen.

am naechsten tag besuchten wir noch die ruinen von kotosh, die noch aus der vorincazeit stammen und radelten den fluss entlang bergauf. immerwieder waren wir gewarnt worden, dass es auf diesem abschnitt ueberfaelle gaebe - als dann ein pick up anhielt und uns erneut warnte, nahmen wir das angebot auf der ladeflaeche am gefaehrlichen punkt vorbei zu fahren gerne an. doch gefaehrlich wurde es nicht.

auf der naechsten strecke trafen wir erst einen radler, bob aus der schweiz und anschliessend zwei ehemalige radreisende und heutige motorradreisende, die bubos aus belgien- mit ihnen verquatschten wir viele stunden, so dass wir ins dunkle gerieten und uns ausserdem noch ein regen erwischte - zu allem ueberfluss pruefte britta mit einem eleganten flug ueber den lenker dann noch ihren helm... zum glueck ohne schwerere folgen!

dann passierte uns etwas, was uns auf der ganzen reise noch nicht geschehen ist: wir fuhren am folgenden tag eifrig ueber eine schotterpiste, immer hoeher in der einsamen pampa, die strecke war gesaeumt von bergen, die viele kleine eingaenge hatten, hier wird kohle abgebaut. wir uebernachteten neben kuehen und passierten einen pass von (angegeben) 4700 metern hoehe... radelten anschliessend wieder bergab und landeten ploetzlich an der schranke einer mine. dort wurde uns mitgeteilt, dass wir voelligst falsch waren!!! dieser kleine abstecher hatte uns zu der cordillera huayhuash gefuehrt. es war ein umweg von zwei tagen, den wir zwar ungerne aber geduldig ertrugen. immerhin bekamen wir eine wunderschoene aussicht auf den gebirgszug als entschaedigung.



> EXKURS: dieses gebirge erlangte nicht zu letzt durch einen tragischen unfall beruehmtheit. einer von zwei jungen englischen bergsteigern verunglueckte 1985 dort so schwer, dass ein abstieg von siula grande unmoeglich wurde. ohne aussreichende lebensmittelreserven ausgestattet, blieb nur das eigentlich unmoeglich: den verlezten joe simpson mit dem 60m- seil nach und nach die endlose steilwand abzuseilen - der kurzeste weg. es zog ein sturm auf. kurz vor dem ende passierte dann das, was man keinem bergsteiger wuenschen mag: joe simpson rutschte ueber einen klippe und baumelte in der luft. der unverletzte simon yates versuchte das seil so weit abzuseilen, wie moeglich, jedoch war das rettende gletscherfeld zu weit weg und das seil zu kurz. simon rutschte mehr und mehr aus seiner provisorischen verankerung und sah keine andere loesung, als das seil zu kappen. der schwer verletzte joe flog 30m und landete in einer glescherspalte. er lebte und vermutete, dass beide abgestuertzt seien. voller gewissensbisse zog er nach und nach an dem seil, das die beiden verbinden sollte und hielt irgendwann das gekappte seil in den haenden. voelligst fassungslos dachte er sich "ok, dann sterbe ich hier!". am naechsten morgen faste ihn mut und er fand irgendwie einen weg dem hunger- oder erkaeltungstod zu entkommen. in dem buch wird alles sehr aussfuehrlich und persoenlich geschildert. irgenwo zwischen lebenslust und aufgeben tanzen innerstimmen in seinem kopf wie engelchen und teufelchen. kriechend kann er sich nur fortbewegen neben halluzinationen und gematert von einem schier endlosen ohrwurm des gehassten BONEY M liedes brown girl in the ring ueberlebt er irgendiwe.

simons freund marco hatte bei einer gemeinsamen wanderung mal von einer dokumentation (touching the void - sturz ins leere) ueber diese geschichte berichtet. darin weckte der verletzte joe simpson mit seinen SIMON SIMON SIMON- rufen immer wieder marcos freundin. aufgrund dieser geschichte erinnerte sich der BriSi- simon, dass er das buch (sturz ins leere) irgendwo in seinem schrank hatte. und vor der abreise aus berlin las er es neben auszug und letzten arbeitstagen wie paralysiert in 3 naechten durch. ("dieses buch ist einfach wahnsinn. das geschriebene visualisiert das geschehene so plastisch, dass es einen mehr als gefangen nimmt.")

ob es diese SIMON SIMON SIMON- rufe waren, die nach mehr als 20 jahren vielleicht noch in der luft lagen, so dass sie britta und simon sich verfahren liessen, blieb ungeklaert. das alles nur als randgeschichte.......EXKURSENDE <

nun muessten wir von der anderen seite als, geplant den pass erklimmen - doch da wir nun schon so im zeitverzug waren, waren wir froh, als ein lkw unsere raeder auflud und uns dieses abnahm. dann fuhren wir endlich auf dem streckenabschnitt, der uns schon von so vielen radlern empfohlen worden war. wir radelten in den nationalpark huascaran. auf ueber 4700 metern war die luft duenn, doch die aussicht auf steile berge von gletschern gekront, direkt neben uns, liess uns alles vergessen. nach jeder kurve erblickten wir neue schneeriesen, die unser herz aufgehen liessen. ploetzlich holte uns der sonnenuntergang ein und wir mussten irgendwo ein nachtlager finden und damit einenen neunen schlafenden hoehenrekord aufstellen: 4760m ueber dem meer.



als waere dieses nicht genug, ueberraschte uns die strecke mit weiteren unerwarteten attraktionen: hohlenmalerei von etwa 600 v.chr., eine quelle mit mineralwasser und die skurrielste blume der welt: puya raimondi. sie waechst nur auf 3800- 4200 metern, ist anfangs ein gigantischer kaktusartiger busch und entwickelt nach 40 - 100 jahren einen bluetenstand der bis zu 12 metern in die hoehe waechst. wenn sie dann in cremeweiss blueht, mit tausender kleiner blueten, ist ihr leben vorbei. sie bleibt nur noch als verbluehtes monument stehen und saeht ihre oft ueber 6.000.000 samen aus. da das leben dieser pflanzen so dramatisch ist, nahmn wir es ihnen nicht uebel, dass wir nur bereits verbluehte exemplare antrafen.

schliesslich erreichten wir mit einer schnellen abfahrt entlang des rio santa unser ziel huaraz. hier genossen wir einige tage die vorzuege einer touristischen grossstadt mit glescherberg- aussicht und besuchten anschliessend den projektpartner urichallay.


PERU: ayacucho - huancayo - huanuco - huaraz
(05.-06.2008)

Sonntag, April 27, 2008

radfahren im flussbett

cusco hat uns schliesslich wieder frei gegeben und wir haben unsere raeder bepackt und uns aus der stadt gewunden. der anfang war noch leicht - als wiedereinstieg gut geeignet: doch bald ging es hinab zu einem fluss, dem rio apurimac, der die distriktgrenze bildet und sich in einem tiefen tal zwischen den hohen bergen seinen weg sucht. wir mussten ihn queren und fanden uns ploetzlich in einem klebrig heissem klima wieder, wo kleine fliegen uns mit fuerchterlich juckenden stichen penetrierten. die nacht verbrachten wir bei den thermen von cconoc, wo wir den schweiss des ersten tages abwaschen konnten. am naechsten tag machten wir uns in neuer frische an die tagesetappe: nur bergauf!!!! das hatten wir so nicht erwartet, so dass wir unser tagesziel auch nicht erreichten. (dass unsere landkarte genau an dieser stelle einen fehler hatte, konnten wir ja auch nicht erahnen!)



die folgenden vier tage wanderten wir zu den ruinen von choquequirao. hierzu mussten wir wieder den genannten fluss ueberqueren: etwa 1500 meter runter, und auf der anderen seite wieder hoch - doch dieses mal zu fuss! wir hatten zwar bereits die wanderung zum machu picchu hinter uns, doch trotzdem war es sehr anstrengend! am 2. tag fragte britta sich nach spaetestens 2 stunden bergklettern, warum sie das ueberhaupt mache und ob es sich auch wirklich lohne am ende??? simon sah das etwas positiver und ermutigte sie weiter zu gehen... nach etwa 4 stunden war das schlimmste geschafft und es ging mehr oder weniger "eben" weiter und als wir dann um die naechste ecke bogen, sahen wir die riesige, nur teilweise ausgegrabene anlage auf dem gegenueberliegenden hang liegen. das entschaedigte schon etwas und trieb uns an schnell anzukommen. die lage zwischen schneebedeckten bergen ist mindestens genau so exclusiv, wie die von machu picchu, darum wird choquequirao auch schwesterstadt genannt. es wird vermutet, dass sie eine der letzten zufluchtsstaetten der inca war...


dadurch, dass diese ruinenanlage nur zu fuss erreichbar ist, und es ausserdem noch nebensaison ist, waren wir die einzigen besucher, die ihr lager auf dem zeltplatz in der anlage aufschlugen. auch als wir die ruinen besuchten, waren wir alleine mit einigen arbeitern. wir fuehlten uns, wie die ersten entdecker, als wir durch teilweise noch ueberwucherte wege von einem zum anderen gebaeuderest liefen und unterwegs noch scherbenreste alter keramiken fanden. ein highlight sind die "lamaterrassen", in deren graue mauern weisse lamas als mosaike eingelassen sind. es heisst die gesamte anlage habe von oben gesehen die form eines lamas, doch da erst 30 % ausgegraben und restauriert sind, ist es fuer unser auge nicht erkennbar gewesen.


nachdem wird die ruinen mit aller ruhe besuchtigt hatten, machten wir uns in rekordgeschwindigkeit auf den rueckweg - zum glueck lies der schmerz der voelligst ueberbeanspruchten beine bald wieder etwas nach, so dass wir uns auf die weitere reise begeben konnten. die folgende strecke stellte sich als eine der schwierigsten unserer bisherigen reise dar: staendig ging es auf eine bergspitze rauf und sofort wieder runter zu einem fluss. und das alles auf einer strasse, die teilweise eher mit einem flussbett vergleichbar ist! wir schafften nie viele kilometer und oft erreichten wir mit dem einbruch der dunkelheit kleine ortschaften, wo wir wasser holten und unser zelt aufstellten. einfach aus dem grund, dass an den steilen talhaengen meist jeder halbwegs ebene platz bebaut war. bei einer dieser uebernachtungen neben einer schule wurden wir am folgenden morgen zu spitzenzeiten von 30 neugierige augenpaaren beobachtet, wie wir im zelt sitzend (also nicht sichtbar!) fruehstueckten und anschliessend alles verpackten.


im gegensatz der sonst so vorwitzigen zurufe von "gringo", "¡dar mi plata!", "¡regala mi una mochila!" oder "¡llevame a tu pais!", waren die menschen durch unsere direkte anwesenheit so irritiert, dass sie nicht ein wort rausbrachten - auch auf fragen unsererseits blieben sie eher still und kicherten vielleicht... das war eine seltsame situation, der wir so schnell wie moeglich entkommen wollten. doch ansonsten trafen wir in genau dieser region, in die sich ausser gelegentlichen radfahrern keine touristen verirren, aeussert freundliche menschen. die meisten meinten es sehr gut mit uns und mehrmals bekamen wir obst geschenkt oder wurden zum essen eingeladen.

auf dieser strecke folgte noch eine weitere etappe, bei der wir von morgens bis abends bergauf fuhren und so von 37 grad am morgen im flusstal zu den weit angenehmer temperierten zonen der hochtaeler gelangten. als wir schliesslich den pass erreichten fanden wir uns in der andentypischen puna wieder, wo ausser pampagras (pacha) nichts mehr waechst. diese wechsel sind immer besonders spannend - manchmal sind auch die landschaft auf einer seite des flusses und die auf der anderen seite des flusses voelligst verschieden, so dass wir eigentlich am morgen eines tages nie wissen koennen, was fuer ein anblick uns am abend erwarten wird.


schliesslich erreichten wir ayacucho - die stadt des blutes. sie gilt als nabel der unabhaengigkeit von spanien, da genau hier eine der entscheidenden schlachten geschlagen wurde. hier koennen wir unsere beine erstmal wieder rehabilitieren und unsere raeder stehen lassen: wir mussten einen abstecher per bus nach lima machen, um unser visum zu verlaengern. zum glueck hat das schnell geklappt, doch hierbei haben wir wieder einmal bemerkt, dass eine reise mit dem bus nicht unsere sache ist - da nehmen wir lieber alle strapazen und unannehmlichkeiten des radlernomadenlebens auf uns, um die wunderbaren vorteile der unabhaenigen langsamkeit geniessen zu koennen!

cusco - choquequiaro - abancay - andahuaylas - ayacucho

Sonntag, März 30, 2008

machu picchu! auf um- und abwegen

wir hatten vorerst genug projekte besucht und waren froh, nun erstmal ganz touristisch unsere tour durch das "valle sagrado", das heilige tal, bis zur ehemaligen incastadt machu picchu und zurueck machen zu koennen. wir entschieden uns fuer eine unuebliche variante: wir radelten durch das tal, liessen die raeder zurueck, fuhren ein stueck mit dem bus und wanderten dann von dort zum machu picchu und wieder zu unseren raedern.

erstes ziel war pisac. hier trafen wir carlos, einen 53 jahrigen argentinier der mit dem fahrrad bis mexiko kommen will. wir hatten ihn schon in tiwanaku/ bolivien getroffen. gemeinsam mit dem schweizer radfahrer markus liefen uns die beiden auf dem markt zufaellig in die arme. wir schlossen uns ihnen an, am naechsten morgen vor sonnenaufgang in die ruinen von pisac zu schleichen, um die horenden eintrittspreise zu umgehen und die ruhige morgenstimmung zu geniessen. das war, wie sich schnell raustellte, eine super endscheidung: wir teilten uns die ersten stunden nur mit einigen peruanern, die ein ritual zum (auf der suedhalbkugel) herbstanfang zelebrierten. um 11 uhr als busladungen interessierter touristen eintrafen, waren wir bereits auf dem weg zu unseren zelten - und da trennten sich unsere wege auch schon wieder.

wir fuhren einige kilometer weiter durch das tal, und blieben bei medizinischen baedern in lamay, die uns mit kaltem wasser ueberraschten. aber da es tagsueber schoen heiss war, machte uns das nichts und wir badeten uns noch kurz, bevor wir zur karfreitagsprozession gingen: in dem kleinen ort hatten familien oder schulklassen bilder mit blumen und buntem sand auf die kreuzungen gemalt. das sah beeindruckend aus. die prozession trug den jesus der hauptkirche durch die gassen und kaum waren sie vorbei, waren die bilder schon zerstoert und der bunte sand wurde von den kindern eingesammelt: sie lieferten sich im anschluss eine farbschlacht!

am folgen tag radelten wir nach ollantatambo, wo wir unsere raeder zurueck liessen und fuhren mit dem bus nach santa maria. nach einer nacht wanderten wir im morgengrauen los ueber einen alten incaweg zu den thermen von santa teresa: riesige schwimmbecken mit heissem wasser waren genau das richtige, um unsere wander-ungeuebten beine wieder etwas zu entspannen! von dort aus fehlte noch ein tagesmarsch, bis wir in aguas calientas ankamen, der stadt am fusse des machu picchu. von unserem zeltplatz aus hatten wir bereits aussicht auf die oben auf dem berg thronende incastadt-ruine.

einen ganzen tag wanderten wir durch machu picchu, bestiegen den hausberg und versuchten uns vorzustellen, wie die menschen hier wohl gelebt haben. da wir und den weg hierher ja zu fuss erkaempft haben, konnten wir uns gut vorstellen, wie es fuer die inca seiner zeit war dort an zu kommen. natuerlich waren wir zwischen den mengen an touristen nicht alleine, doch zum glueck ist alles so gross, dass es sich etwas verlaeuft und da wir ja keinen zeitdruck hatten, konnten wir immer die ruhigeren momente abwarten - wobei es natuerlich auch spannend war dem touristischen treiben zu zu sehen und erklaerungen der verschiedenen fuehrer aufzuschnappen.

den weg zurueck zu unseren raedern wollten wir an einem tag schaffen, indem wir immer den schienen folgten. doch schon schnell wurde uns das monotone bohlen-steigen langweilig und wir fragten uns, ob wir nicht den weg auf der anderen seite des rauschenden flusses nehmen koennten... und zu unserem glueck war die tuer der bruecke (bei kilometer 104) offen. so wanderten wir von dort an auf einem richtigen alten incaweg. aber bald mussten wir feststellen, dass der alte weg fuer uns beschwerlicher war: er schlaengelte sich immer am berghang entlang, auf und nieder ueber alte steinstufen. allerdings gab es fuer uns nun kein zurueck mehr: die naechste bruecke war stunden entfernt und am naechsten kontrollposten erfuhren wir, dass wir dort, am ausgang, mit einer gebuehr von 50$ pro person rechnen muessten, schliesslich bewanderten wir illegal einen teil, des teuer zu bezahlenden inca- trails. wir wanderten mit diesem neuen wissen weiter und waren heilfroh, als ein netter junge uns nach dem einbruch der dunkelheit einen zeltplatz in seinem innenhof anbot. auf seinen rat hin machten wir uns im morgengrauen wieder auf den weg und konnten so eine bruecke ueberqueren, bevor die kontrolloere eintrafen!

gluecklich ueber unsere erfolgreiche wanderung kehrten wir zu unseren raedern zurueck und machten und auf den rueckweg nach cusco.

CUSCO - VALLE SAGRADO - SANTA TERESA - MACHU PICCHU - INCA TRAIL - CUSCO

Samstag, März 29, 2008

auf den spuren diverser kulturen

in puno verbrachten wir etwa drei wochen, wobei wir die meiste zeit in verschiedenen gemeinden rund um den titicacasee verweilten. wir lernten viele projektpartner von terre des hommes kennen, die in der "afirmacion cultural", der staerkung kultureller identitaet arbeiten. nachdem wir bei einigen familien gelebt und ihre alltagskultur miterlebt haben, wurde uns wirklich klar, wie wichtig es ist, dass sie ihre wurzeln nicht vergessen ...

wir hatten uns eigentlich schon entschieden, die haupttouristenattraktion von puno nicht zu besuchen: die "uros" sind aus schilf (totora) gebundene inseln im titicacasee, auf denen das volk der uros lebt. so war es urspruenglich. doch durch unseren kontakt zu den projektpartnern haben wir erfahren, dass es diese kultur garnicht mehr gibt! die urspruenglichen uros haben ihre sprache abgelegt, sprechen alle aymara (und spanisch) und wohnen groessten teils auf dem festland. die treibenden inseln sind heutzutage nurnoch eine touristenattraktion und jeder peruaner kann sein uro eroeffnen. auf jeder insel stehen einige haeuser aus totora und viele menschen verkaufen in trachten gekleidet souvenirs. so sind die uros nichts anders als treibende souvenirmaerkte!

wir beschlossen schliesslich, die uros doch zu besuchen, um uns live anzusehen, was geschieht, wenn der tourismus ueberhand nimmt. und um eine idee davon zu bekommen, wie eine kultur nur aus komerziellem interesse weiter existieren kann... es war interessant, vor allem mit unserem hintergrundwissen, zu sehen, wie die scheinwelt aufrecht erhalten wird und wie die meisten touristen darauf reagieren. bei der rueckkehr in puno wurden wir von einem deftigen hagel-gewitter ueberrascht. es hagelte sicherlich 2 stunden und anschliesend waren die strassen mit einer 15 cm dicken hagelschicht bedeckt. andernorts waren die abfluesse verstopft und es stand ein halber meter wasser in den strassen.

mit dem rad fuhren wir dann zum naechsten projektpartner nach pukara. dortlebte in der vor-inca-zeit das volk der pucara und errichtete eine imposante anlage, die dazu diente den anbau diverser pflanzen auf terrassen zu testen. aus diesem grund ist in der umgebung noch heute eine grosse vielfalt an planzen zu finden, so heisst es.

weiter ging es von der hochebene durch ein langes, tief in die berge gegrabenes gruenes tal in tiefere gegenden. die ausblicke liessen uns oft nur staunend den mund offen stehen. in cusco trafen wir puenktlich zur osterwoche ein und waren dabei, als der "christo de los temblores", christus der erdbeben, in einer grossen prozession durch die stadt getragen wurde. wir versammelten uns mit vielen anderen auf der plaza de armas, bis sie gefuellt war und empfingen die prozession in einer feierlichen stimmung. uns wurde erklaert, dass viele kommen, weil sie christen sind, doch andere kommen, weil der ort, an dem heute die kirche steht, frueher ein wichtiger tempel der inca war, bis die konquisatoren ihn niederrissen und ihre kirche errichteten. tatsache ist, dass viele menschen zu traenen geruehrt waren, als der chricto kam und alle segnete. (oft wird alter indigener glauben in den katholischen glauben integriert und somit die beiden glaubensrichtungen miteinander verbunden. wir vermuten, dass es den missionaren nicht gelungen ist, den christlichen glauben in seiner europaeischen form in suedamerika zu verwurzeln, und sie darum "kompromisse" eingegangen sind.)

cusco ist die alte hauptstadt des incareiches, der name bedeutet "nabel der welt"! noch heute sind zahlreiche incamauern erhalten, die das koennen und den perfektionismus der inca verdeutlichen. fugenlos liegen steine, die ueber hundert tonnen wiegen, auffeinander, so exakt, dass man nicht mal ein stueck reispapier dazwischen schieben koennte. auf diesen grundmauern wurde cusco nach der inversion der spanier und verheerender erdbeben immer wieder aufgerichtet. heute bietet es eine perfekte kulisse um stundenlang durch die gassen zu streunern...

PUNO - LAMPA - CUSCO