Freitag, Dezember 21, 2007

wie den absprung schaffen, wenn's zu schoen ist

Bolivien: COCHABAMBA - EL ALTO - LA PAZ

wie den absprung schaffen, wenn es einem zu gut gefaellt? nach 5 wochen cochabamba, familienleben, heimlichkeit und terre des hommes bueroarbeit - wie den gesamten, fuer uns als rad- und projektnomaden, damit verbundenen "luxus" einfach aufgeben und in den sattel schwingen? aus erfahrung brauchen wir dafuer vorlauf und etwas zeit. abschied ist nie leicht, gerade wenn man so herzlich und unkompliziert aufgenommen wurde, wie von der familie von borries.

nach einer schoenen kleinen abschiedsfeier starten wir an einen schoenen samstag aus dem zeitweise zu heissen klima der talregion um cochabamba. die strecke nach la paz ist eine der meistgenutzten strassen in bolivien und komplett asphaltiert. cochabamba liegt auf 2600m, la paz in einem tal auf 3600m. doch um in dieses tal zu gelangen muss man ganz schoen schuften. ein ansehnliches auf und ab erwartete uns. in der mitte der gut 450 km liegt der hoechste punkt mit 4500m, eine hoehe, die einem den atem nimmt.

das bolivianische altiplano, die hochebene, war um einiges kuehler als das cochabambinier tal, was zeitweisse einem schwitzkasten nicht unaehnlich war. fuer die naechte wartete wieder das bolivianische problem auf uns - die schwierigkeit, einen ruhigen und einsamen zeltplatz zu finden. bolivien ist mit 8,3 einwohnern pro km² und seinen 9 millionen einwohnern, verglichen mit andern lateinamerikanischen staaten, sehr duenn besiedelt, jedoch leben die menschen auch in fast unwirtlichen gebieten. oft finden wir erst nach langem suchen ein ruhiges plaetzchen abseits von strassen und wegen fuer unsere nachtlager. doch nicht selten gibt es auch dort jemanden, der morgens wie aus dem nichts vor uns steht und uns interessiert ausfragt.

auf dem weg passierten wir ploetzliche ein fahnenmeer aus wiphalas(der fahne der indigenen kulturen) und der bolivianischen nationalfahne, einen demonstrationszug, mitten im bolivianischen nirgendwo des altiplano. sie seien auf dem weg nach la paz sagten sie. "fuer die gerechte rente und die soziale revolution" stand auf ihren plakaten. bis la paz waren es sicher noch 5 tagesmaersche. aber sie erreichten ihr ziel puenktlich, wie wir spaeter in den nachrichten erfuhren. grund fuer den marsch auf la paz war der, dass sie an dem tag der abstimmung fuer die "gerechte rente" einen art tuersteherfunktion vor dem bolivianischen parlament uebernahmen und nur zustimmungswillige abgeordnete in das parlamentsgebaeude liessen. ein methode, der sich auch gerne vorgaenger regierungen bolivienes bedienten. mit hilfe der demonstranten konnte somit erfolgreich eine rente fuer die alten boliviens beschlossen werden. sie ist einen art sozialabsicherung und jeder bolivianer ueber 60 kann sie beantragen und erhalten. in unseren augen einen sehr notwendige neuerung, denn immer wieder sahen wir in kleinen ortschaften an den stark befahrenen ueberlandstrassen alte menschen stehen, die aus armut und hilflosigkeit betteln mussten.

dieses beispiel zeigt, dass die politisch lage in bolivien derzeit sehr angespannt ist. opposition und regierung liegen mit ihren politikintressen so weit ausseinander, dass kaum noch dialoge moeglich sind. offensichtlich ist, dass politisch sehr viel in dem andenstaat durch den ersten indigenen praesidenten und seine partei ins rollen gebracht wurde. im vergleich zu der alten verfassung, die aus verscheidenen europaeischen vorbildern uebernommen wurde, werden in der neuen verfassung erstmalig auch die besonderheiten bolivienes beruecksichtigt. die UN- menschenrechtskommission lobte die neue verfassung. wer die bolivianischen zusammenhaenge und juengsten politischen entwicklungen verfolgen moechte, dem koennen wir folgende links empfehlen:

das nachrichtenpool lateinamerika e.V. aus berlin bringt woechentlich zahlreiche beitraege (auch radiobeitraege) auf ihrer homepage. unter anderem das poonal, ein woechentlich erscheinender pressedienst unabhaeniger lateinamerikanischer nachrichtenargenturen. aktuelle no. 791 zu bolivien

bei wikipedia findet ihr einen sehr umfangreichen artikel zu bolivien, indem auch auf die brandaktuellen diskussionen eingegangen wird.

in englisch gibt es den bolivien blog des democracy center aus cochabamba. hier werden oft sehr interessante und objektive artikel zu bolivien allgemeinen und der politischen situation im speziellen veroeffentlicht.

aber weiter mit unserem weg nach la paz: nach dem auf und ab hatten wir das altiplano, die hochebene, erreicht und auf ueber 4000m radelten wir la paz entgegen. bei einer begegnung am wegesrand warnte uns eine vor 50 jahren ausgewanderte leipzigerin vor el alto: "dort ist es wie in indien, schrecklich! ueberall schmutz und dreck." die begegnung war trotzalledem angenhem, der abfaellige satz zeigt nur, wie gespalten die bolivianische gesellschaft ist und wie die finanziell gut gestellten bewohner boliviens vor der not und armut grosser teile der bevoelkerung die augen verschliessen.

unser ziel war eben dieser ort: EL ALTO (die hoehe). die schnellwachsende, mittlerweile unabhaenige vorstadt, saeumt den talkessel von la paz und kippt fast in ihn hinein. sie ist ein unansehnlich bis reizvolles durcheinander aus bunten strassenzuegen, halbfertigen haeusern, kleinen geschaeften, wuchernden industriegebieten und traditionellen oder auch modernen menschen.
bei unserem projektbesuch in potosi hatten wir das in el alto ansaessige projekt wiphala kennengelernt. sie hatten sich mit einer deligation von arbeitenden kindern und jugendlichen an dem 3- taegigen traditionellen fest zu ehren des apostels bartolomeous beteiligt. ueber diesen kontakt hatten wir eine anlaufstelle nahe la paz'. nach letzten telefonischen absprachen erwartete uns ein kleines empfangskomitee von jungs aus dem projekt und marcelo, der leiter der einrichtung mit fahrraedern an einer hauptkreuzung. wie ehrengaeste mit geleitschutz lotsten sie uns sicher durch den wuetenden verkehr und die abgas- geschwaengerte luft el altos zu unserem neuen uebergangszuhause - marcelos wohnung!

link zu den bildern:
Bolivien: Cochabamba - EL Alto - La Paz

-

Freitag, Oktober 26, 2007

mit auf's und ab's zu groessten tief und darueber hinaus

SUCRE - TARABUCO - PRESTO - ZUDAÑEZ - PUCARA - CAMINO DEL CHÉ - VALLE GRANDE - SAMAIPATA - COCHABAMBA

es gibt tage, die man lieber schnell vergisst. weil solche tage meist mit ganz besonderen begebenheiten einhergehen, bleiben die versuche, sie aus seinem gedaechtsnis zu streichen, aber meist erfolgslos. der mit abstand "beschissenste" tag unserer radreise war der folgende:

angefangen hat alles wunderbar: wir hatten am vorabend, nach einer endlosen abfahrt in das tal des rio grande einen schoenen platz zum campen gefunden, direkt an einem klaren fluss, etwas versteckt - nur die temperaturen waren zu heiss und tropisch. der bach brachte ein wenig abkuehlung und wir konnten staub und schweiss des tages abwaschen. wir wussten von unserer karte, dass wir den rio grande ueberqueren mussten, dazu fehlten nurnoch ein paar hoehenmeter. insgesamt mussten wir 1500m abfahren und spaeter wieder hochklettern. wegen des bevorstehenden aufstiegs und der zu erwartenden hitze entschlossen wir uns, die etappe noch in den dunklen, frischen morgenstunden anzugehen.

wider erwartend zog sich die abfahrt: es ging viele km weiter, immer rauf und runter. sehr angenehm in der kuehle des morgens, jedoch unerwartet und daher stoerend. so erreicht wir erst gegen 10 uhr den fluss, doch nirgends war eine bruecke oder aehnliches zu sehen. weiter ging es immer am fluss entlang... das thermometer kletterte schon auf ueber 40 grad und unsere hoffnung, nun endlich die noerdliche uferseite erreichen zu koennen, wurden nach jeder kurve erneut vernichtet. der rio grande, der grosse fluss, hielt nicht mal annaehernd, was der name versprach. die letzten monate vor dem einsetzen der regenzeit sind furztrocken und der fluss war nur eine gelb- braune bruehe. die luft flimmerte vor hitze, um kurz vor 11 uhr zeigte das thermometer 47 grad. einfach zu heiss - zu trocken - schweiss bildete sich nicht mehr sichtbar, wahrscheinlich vertrocknete er umgehend nach dem austreten. wir selber fuehlten uns anders, komisch und stumpf.

dann eine bruecke in sichtweite, endlich! im letzten ort war uns erzahlt worden, dass es fischer gaebe, die am fluss leben. alles was wir sahen, waren auf jeder seite ein jeweils sehr verlassen aussehendes haeuschen. all unsere hoffnungen, hier unsere wasservorraete auffuellen zu koennen, hatten wir auf die fischer und den klangvollen rio grande gelegt. in einem haus zeigte sich leben: hunde bellten und ein krudes maennlein zeigte sein gesicht. ja er koenne uns wasser geben. puh, so ein glueck! er muesse sein wasser von weit her holen, sagte er, so koenne er uns nur etwa 3 liter abgeben. wir konnten ihm im tausch zumindest eine banane und schon getrocknete coca-blaetter anbieten. weil wir, seit wir bolivien betreten haben, mehrfach an magendarm- geschichten litten, kaufen wir nur noch wasser oder filter es! so auch diesesmal, zudem dieses wasser einer leicht cafè- farbenen bruehe aehnelte.

als wenn die hitze nicht schon genug uebel verursachte, kamen jetzt auch noch kleine fliegen hinzu. durch das wasserfiltern waren wir beide ordentlich ins schwitzen geraten. die fliegen flogen darauf: voellig von sinnen stuerzten sich unzaehlige "schweissfliegen" auf arme, gesicht, ohrloecher und jedes fleckchen haut, um sich an unserem transpierten zu laben. das krude maennlein war froh ueber das ungewoehnlich spektakel und schaute uns interessiert zu.

jeder von uns verschlang etwas von dem frischen nass und wir starteten die auffahrt. nachdem wir bei der abfahrt unseren ersten wald seut langer zeit durchfahren hatten waren wir ueberrascht, wie trocken die andere uferseite war. das thermometer blieb stoisch auf 47 grad, grillen zirpten in ohrenbeteubenden tonlagen. die sonne stand im zenit, fuer uns sonnenempfindeliche hiess das pausenzeit. jedoch war es mit diesen fliegen unmoeglich sich auszuruhen, geschweige denn zu essen. als ausweg kam uns nur das moskitonetz in den sinn und siehe da, irgendwie liess es sich zwischen baeumen und raedern aufhaengen und verfehlte seinen zweck nicht. wie schoen, ungestoert essen und doesen zu koennen!

beide zoegerten wir den aufbruch hinaus. was erwarete uns denn schon: 1500m steigung, kein wasser und fliegen, sobald wir das moskitonetz entfernen. aber welche wahl hatten wir schon? schnell packten wir alles zusammen. wenn man am berg eine zuegige geschwindigkeit erreichen konnte, waren die fliegen sogar abzuhaengen, wenn man stehenblieb, waren sie aber sofort wieder bei einem. unsere wasservorraete beschraenkten sich auf jeweils einen liter wasser, dieser hatte sich der umgebungstemperatur angepasst und war warm wie tee! verfluchte scheiss- idee! warum hatten wir diesen weg ausgewaehlt? warum hatten wir uns nicht besser informiert? jeder von uns hing seinen gedanken nach. es war einfach zu heiss und koeper und geist waren wie in watte gepackt, muede und traege. unabhaenig von einander faellten wir langsam den entschluss, dass wir umkehren muessen: zurueck ueber die bruecke und 20 km bis zum naechsten klaren bach radeln, um zumindest unsere wasservorraete den bedinungen anpassen zu koennen. doch - was ist das? das hoert sich an wie ein brummen - motorgeraeusche? ist das ein auto? kann uns das mitnehmen? wow, das ist sogar ein minibus! uns war den ganzen tag noch kein auto begegnet. der fahrer schien unsere gedanken zu lesen und bat uns, fuer einen umkostenbeitrag, eine mitfahrgelegenheit an. wir jauchzten ein "ja gerne" und packten die raeder und taschen auf den dachgepaecktraeger und schon waren wir unterwegs. die steigung machte auch dem minibus zu schaffen, nach der haelfte kochte der motot ueber und wir mussten dem bus zu liebe ein paeuschen einlegen. uns war das voellig egal.

zufrienden kamen wir in pucara an. die temperaturen waren wegen der hoehe von 2500m angenehm kuehl. der ort wirkte verschlafen und gemuetlich, er war sehr typisch mit schoenen alten haeusern mit tonziegeldaechern. verwunderlich war, dass die bewohner alle in spanisch miteinander komunizierten. fuer die meisten bewohner der hochebenen von bolivien sind die traditionellen sprachen, meist quechua, weiter im norden aymara, muttersprache. viele aeltere leute haben hemmungen und schwierigkeiten ueberhaupt spanisch zu sprechen.

wir tranken limonade, malzbier, wasser - was wir so an fluessigen finden konnten, bevor wir uns 'ne unterkunft suchten und duschten. damit war der bisher schlimmste, von ein paar schlimmen tagen, erfolgreich ueberstanden. doch eigentlich gehoert sowas dazu und macht in gewisser weise das abenteuer und den reiz aus, doch trotzdem koennte man getrost darauf verzichten!

wie hatten wir es denn eigentlich bis hier geschafft? ach ja bevor wir die region erreichten, waren wir schon ein paar tage von sucre unterwegs. in sucre waren wir mit einem mitarbeiter von der organisation CESATCH in die region geradelt, in der sie arbeiten. ein fahrradtag von sucre entfernt liegt tarabuco, das breuehmt ist fuer seinen bunten sehr urspruenglichen sonntagsmark, zu dem vielen menschen aus den umliegenden gemeinden kommen. uber den besuch des marktes und die weiteren tage in der proektregion von CESATCH koennt ihr unter radeln fuer vielfalt mehr finden -mit einem bericht und tollen fotos!

durch den besuch befanden wir uns auf umwegen und genossen die laendlichen regionen, wo sich selten mal ein radreisender blicken laesst. es gab begegnungen, bei denen wir angeschaut wurden, als waeren wir von einem anderen stern. wir kamen durch kleine doerfer und fuhren auf einsamen pisten mit weing verkehr. nachts war es immer schwer einen ruhigen etwas geschuetzten zeltplatz zu finden. bolivien hat nur 9 millionen einwohner und ist um ein vielfaches groesser als deutschland. man sollte meinen, bei der duennen besiedlung finde man immer ein schmuckes, ruhiges plaetzchen fuer die nacht. ein trugschluss, selbst wenn wir glaubten endlich etwas einsames gefunden zu haben, kam immer wieder ein fussgaenger vorbei der eine abkuerzung nahm und uns freundlich gruesste.

mit der ankunft in pucara hatten wir die attraktion der gegend ueberraschenderweise schon hinter uns gelassen. in la huiguera, war vor ziemlich genau 40 jahren ernesto che guevara gefangen, standrechtlich erschossen und begraben worden. ende der 90er jahre verriet ein beteiligter militaer den ort seiner beerdigung und so wurden die ueberreste ausgegraben und nach cuba geflogen. um in der region etwas tourismus anzusiedeln wird verstaerkt mit dem camino del che geworben. damit werden orte verbunden die che guevara waerend seiner guerillero- zeit in bolivien besuchte. uns fehlte leider der bezug zu dieser historischen figur und daher entschieden wir uns dagengen, dem ort einen besuch abzustatten.

der naechste tag begann mit einer ueberraschung: als wir mit den raedern auf die strasse traten gesellte sich schnell ein hund zu uns, der sich so freute uns zu sehen, als waeren wir seine lange vermissten herrchen. er folgte uns aus dem ort und rannte neben uns her, als wuerde er das schon sein lebenlang machen. wir entfernten uns immer mehr von pucara, doch der mittelgrosse weiss- beige- schwarze hund liess sich nicht beirren und kam mit. wir hatten schon vorher immer mit dem gedanken gespielt, wie denn unsere radreise mit hund funktionieren koennte. wir hatten im internet nach aehnlich reisenden gesucht uns ueber kosten fuer einen anhaenger informiert, damals waren wir in temuco und hatten und schlussendlich doch dagegen entscheiden, weil der hund noch so jung war. aber dieser hier machte den eindruck, als waeren wir genau das, auf was er gewartet hatte und auch wir bekamen langsam den selben eindruck. an jeder pfuetze machten wir halt, damit er seinen durst stillen konnnte. nach 20km hatte er dann auch einen namen: doñ ernesto raketa. ernesto wegen des bruehmten che und raketa, weile er schnell und aussdauernd neben uns herlief. wir passten uns doñ ernesto raketa mit tempo und pausen an, ueberlegent uns, welche moeglichkeiten wir denn mit ihm haben wuerden und beschlossen, wenn er es bis zu unserem naechsten ziel samaipata schaffe, flohshampoo zu kaufen und einen anhaenger zu bauen, auf dem er uns immer begleiten solle.

die strecke war wunderschoen. es ging auf und ab durch huegelige und mit grass bewachsene landschaft. einziges manko war die etwas diesige sicht, die wir schon seit tagen hatten. ernesto schien das radlerleben zu gefallen und uns zu moegen, immer wenn einer von uns zurueck blieb, wartete er auf den einen oder die andere. nach 30km und einer ziemlich langen abfahrt wirkte doñ raketa zusehends mueder. noch nie sind wir eine abfahrt so ruecksichtsvoll und langsam gefahren, muss man dazu sagen. als wir uns vallegrande und damit der zivilisation naeherten, war von der vorherigen muedigkeit keine spur mehr und der hund trabte zufrieden und stolz an den hunden der angrenzenden hauser vorbei. es schien, als haette er ein kleines grinsen auf den lippen, nach dem motto: wenn ihr nur wuesstet wo ich herkomme!

in vallegrande stockten wir vorraete und wasser auf - den hund in die planungen fuer abendbrot mit einbezogen. er sorgte fuer belustigung auf dem plaza, wo britta mit ihm wartete. zufrieden lag er im schatten unserer raeder und ruhte sich aus. auf unserer karte sah es so aus, als gaebe es eine kleine nebenstrasse nach samaipata, jedoch schien die keiner zu kennen, ausser unsere karte. schliesslich fragten wir bei einer touristeninformation. simon und ein mitarbeiter betrachteten gerade diverse landkarten als eine "gringa" (so werden alle, die irgendwie nach us- amerikaner oder europaer aussehen, genannt) unvermittelt: that's my dog!?! my god, what is he doing here??? i left him behind in pucara!!! doñ ernesto raketa rannte freudig springend zu ihr und es war klar: this is her dog! die geschichte war die: sie arbeitet als freiwillige peacecorps- mitarbeiterin in pucara und hatte sich dem hund angenommen. nach ein paar mahnenden worten an den hund und der geschichte seines tages war sie auch schon mitsamt hund - unserem hund (!) - verschwunden. wir beide blieben ziemlich verstoert zurueck, denn doñ ernesto raketa hatte schon einen platz in unseren herzen erobert. schade.

vallegrande ist die hauptstadt des camino del che. hier ist ein museum und hier sollte in den kommenden tagen auch der 40. todestag mit evo morales und deligationen aus cuba gefeiert werden. wir verbrachten die nacht auf dem fuer das treffen vorgesehenen campingplatz (der erste offizielle campingplatz in bolivien!)und zogen es vor am naechten morgen weiter nach samaipata zu fahren.

die fehleden ca. 100 km wollten wir an einem tag schaffen. ohne hund ging das alles viel schneller. die strecke fuehrte uns durch ein angenehmes tal. als wir dann, kurz vor dem ziel, eine kleine pause machten und fragten wie weit es noch bis samaipata sei, fielen wir aus allen wolken: 20km mehr als unsere karte angab, zudem noch eine kleine steigung vor dem ort. die karte hatte schon immer kleine fehler, aber in den letzten etappen war sie mehr als ungenau geworden. aus der kleinen steigung wurde etwas endloses und erst nach einbruch der dunkelheit erreichten wir den ort. in unseren reiseaufzeichnungen konnte ein neuer rekord verbucht werden. die raeder hatten sich mehr als 8 stunden gedreht und damit war unsere laengster radtag geschafft.

samaipata ist durch einen von vielen kulturen benutzten und verehrte ruine bekannt geworden, das fuerte de samaipata. selbst erich von daeniken hat wilde spekulationen ueber diesen ort angestellt. wir haben eher das milde klima und die schoene landschaft an dem ort genossen und den obligatorischen besuch der zerimoniellen ruine mit einem wunderschoenen bad in einem fluss in der naehe verbunden. die landschaft der umgebung ist sehr schoen. durch das mild- temperierte klima wachsen ueberall auf kleinen huegeln und bergen baueme, alles ist gruen und strozt vor vielfalt. in samaipata haben viele auslaender touristisches potenzial gewittert und schoene oder weniger schoene backpacker- hostels eroeffnet. zudem gibt es eine schweizer und eine ungarische baeckerei, die lange vermisstes vollkornbrot anbieten. dieses brot mit dem ebenso raren kaese tipo greyer, der hier von der schweizer Kaeserei produziert wird, ist ein traum fuer uns freunde des guten kaeses.

gestaerkt und sehr erholt, traten wir die letzten 400km bis nach cochabamba an. wir entschieden uns die alte route zu fahren: die strasse santa cruz - samaipata - cochabamba wurde erst vor wenigen jahren fast komplett asphaltiert. wenig spaeter wurde eine neue, weniger beschwerliche strasse durchs tiefland von cochabamba zur bolivianischen wirtschaftsmetropole santa cruz gebaut. fuer uns ein traum, asphalt und doch wenig auto- und lkw- verkehr!

die zahllosen taeler die wir kreuzten, hiessen fuer uns radfahrer hoch und runter. ein teil der strasse ist ohne aspahlt und die strassenverhaeltnisse sind sehr schlecht, was dieses auf und ab noch beschwerlicher machte. doch dieses zeigte uns auch enorme abwechslungen der vegetation: an einem morgen fuhren wir mitten in der trockenen kaktuswueste los und endeten, nach einer satten steigung, hoch oben im nebelwald. da wo nebel ist, ist auch wald, der durch die mit mosen bewachsenen baeume sehr mystisch anmutet und die strecke gepenstisch macht. nach einigen kilometern und sogar regen(!) durchbrachen wir den nebel und schoenster warmer sonnenschein mit neuen schluchten und taelern erwartete uns.

die fluesse der taeler bilden die lebensadern der menschen. die regionen, die wir kreuzten, wurden meist landwirtschaftlich genutzt und die ersten kartoffeln wurden geerntet. sobald wir uns cochabamba naehrten, kamen auch sonnenverwoehnte fruechte hinzu und wir konnten die ersten pfirsiche geniessen. den letzten radeltag verbrachten wir zu dritt: grant aus australien hatte uns eingeholt und wir tauschten fahrradreisegeschichten aus. die strasse war asphaltiert und es ging ueberwiegend bergab und so erreichten wir cochabamba schon am mittag. der ort ist lateinamerika- weit fuer seinen riesen markt bekannt: die cancha, sie verteilt sich auf ein ganzes stadtviertel und sortiert nach kaufgegenstand gibt es alles was man braucht. wir kamen an einem samstag an, dem groessten marktag, und landeten auch noch im unglaublichen gewuehl der cancha. nach den letzten tagen in beschaulicher abgeschiedenheit, ein kulturschock erster guete. gemeinsam genossen wir noch ein abschiedseis und trafen zufaellig unsere cochabambiner gastgeber.

schon 2 wochen sind wir hier, geniessen das familienleben bei den borries mit wochenendausfluegen, regelmaessigen mahlzeiten, backen und kochen, kinderspiel, basteln, musik, kino, abendlichen gespraechen und vielem mehr. wir reparieren und lassen reparieren: fahrraeder, hosen, zaehne - alles brauchte dringend eine wartung. wir laden unsere baterien fuer neue etappen auf. im terre des hommes andenbuero schreiben wir berichte und sortieren fotos. zudem gibt es viele projektpartner in der region, die wir besuchen ... der vielfalt wegen, ihr wisst schon!

die dazugehoerigen bilder!

sucre - tarabuco - vallegrande - samaipata - cochabamba

Donnerstag, September 06, 2007

wir feiern die feste, wie sie fallen

in uyuni blieben wir einige tage, um dort den nationalfeiertag abzuwarten - den 6. august. doch erwarteten uns keine bunten taenze, sondern strenge paraden der schueler, der gewerkschaften, der militaers, der marktfrauen ...das war unser erster festtag, den wir in bolivien verbrachten, doch zogen wir es vor uns die blasmusik aus der ferne anzuhoeren.

mit dem rad ging es weiter nach potosi. ueber eine schotterpiste strampelten wir auf und nieder bis wir potosí erreichten, wo wir unsere raeder fuer eine woche im "casa de ciclistas" abstellten. da dieses haus der radfahrer seit 1994 besteht, hatten wir das gute gefuehl, dass unseren raedern bei der familie ramos nichts zustossen wuerde. ein komisches gefuehl trotzdem, die treuen gefaehrten zurueck zu lassen! so stiegen wir auf den bus um und besuchten erstmal anita & stefan in sucre, wo sie derzeit in einem projekt fuer menschen mit behinderung arbeiten.

weiter ging es mit einem ungemuetlichen nachtbus nach cochabamba. dort ist der sitzt des andenbueros von terre des hommes. wir haben dort eine woche verbracht und unsere bald folgenden projektbesuche mit den zustaendigen dort konkreter geplant. waehrend dieser zeit fand in dem angrenzenden staedtchen quillacollo das fest zur ehrung der jungfrau von urkupiña statt. dieses ist das groesste fest der region, welches gaeste und taenzer aus dem ganzen land anzieht und auch viele touristen, die eigens dafuer anreisen. wir haben uns also die gelegenheit ein buntes fest mitzuerleben nicht nehmem lassen. am ersten tag wurde das fest durch den staatspresidenten evo morales eroeffnet und es haben die traditionellen gruppen getanzt und musiziert - an einem weiteren tag war dann die moderne parade mit blasmusikkapellen. in der nacht pilgerten dann unzaehlige chochabambiños nach quillacollo um vor ort steine fuer ihre wuensche im kommenden jahr zu sammeln.

um von cochabamba wieder zu unseren raedern zu kommen, mussten wir wieder lange reisen - doch dieses mal wollten wir die nacht durchschlafen, so dass wir gerne die 6 euro fuer den liegesitz bezahlten. so hatten wir wieder die moeglichkeit unsere freunde in sucre zu treffen - dieses mal habem wir uns auch die einrichtung angesehen, wo anita und stefan, als oestereichische zuckerbaecker den muettern von kindern mit behinderung das backen verschiedener spezialitaeten beibrachten.

zurueck in potosi haben wir den tdh-projektpartner PASOCAP besucht. dort organisieren sich arbeitende kinder und jugendliche, um sich besser fuer ihre rechte einsetzen zu koennen (bald mehr im bericht). die erste woche stand voll und ganz im zeichen der vorbereitung zur teilnahme an den chutillos - das groesste fest dieser region, das an einem wochenende die ganze stadt lahm legt. hier wird am ersten tag zur puerta (der tuer einer kirche vor der stadt) gepilgert. der zweite tag ist fuer die traditionellen gruppen reserviert und der dritte fuer moderne taenze.

zu unserer grossen freunde haben unsere franzoesischen radlerfreunde in dieser zeit auch potosí erreicht, nur leider waren unsere tage durch die projektarbeit so voll, dass fast keine zeit blieb, sie zu treffen. schliesslich haben wir uns wenigstens einen tag frei genommen, um zusammen die minen im cerro rico zu besuchen.

dieser besuch war hoch interessant bis schockierend: der berg wurde bereits von den spanischen kolonisatoren ausgehoehlt, da dicke silber- und andere mineral-adern ihn durchzogen. erst wurden die schwarzafrikanischen sklaven dort eingesetz, doch ueberlebten sie meistens nicht laenger als drei monate auf der hoehe von etwa 4500 metern. nach ihnen war dann die indigene bevoelkerung an der reihe... doch die methoden waren hart und die arbeitsbedingengen ebenso. die menschen wurden nicht als menschen angesehen und wie tiere ueber mehrere monate im berg eingeschlossen, um dort das silber abzubauen, dass den europaeern zu reichtum verhelfen sollte. wieviel silber dort ueber die jahrhunderte abgebaut wurde ist nicht bekannt (eine bruecke von potosi nach madrid soll gebaut werden koennen!)- wieviele menschen in dieser zeit ihr leben in den minen liessen kann nur geschaetzt werden (man geht von ueber 8 millionen menschen aus). es ging soweit, dass die muetter ihre kinder lieber umbrachten, als dass sie in der mine arbeiten muessten!!!

durch die silber-inflation im 16. jahrhundert, fiel die ehemals groesste und reichste stadt der welt (groesser z.b. als paris und london zur damailgen zeit!) in eine krise... doch noch heute ist der ehemalige reichtum erahnbar: der stadtkern besteht beinahe noch ausschliesslich aus praechtigen kolonialbauten und unzaehligen kirchen dieser zeit.

da landwirtschaft auf dieser hoehe nur schwer betriebn werden kann und die lebensbedingungen keine industrie anlocken, hat noch heute beinahe jede familie mitglieder, die in der mine arbeiten und auch immer mehr kinder arbeiten zur unterstuetzung der familie dort. die arbeitsbedingungen haben sich seit der zeit der spanischen besatzung nicht viel geaendet! es ist nach wie vor gefaehrliche koerperliche schwerstarbeit!

... das wussten wir schon bevor wir die mine besichtigt haben, doch wie hart und unmenschlich sie ist, das koennen wir erst nach dem besuch erahnen! wir sind nur in die mine reingegangen, geklettert, auf allen vieren gekrochen, gerutscht... und nach zwei stunden waren wir wieder an der frischen luft. doch die arbeiter bleiben dort 4, 6, 8 bis zu 18 stunden drinnen, 5 oder 6 tage pro woche, permanent der hitze und der von staub und dynamit durchzogenen luft ausgesetzt. uns tat trotz mundschutz noch am naechsten morgen der hals weh. bei den arbeitern setzt sich der staub ueber die jahre in der lunge ab. ihre lebenserwartung sinkt auf 45 -50 jahre, doch viele sterben schon vorher an der staublunge (70%) oder bei unfaellen im inneren der mine - im durchschnitt angeblich jeden tag eineR. ... doch die gehaelter sind fuer bolivien sehr gut, gezahlt wird woechentlich, und wenn taeglichen die frage des ueberlebens besteht ist die entscheidung schnell gefallen... (!!!????????)

zu unserer tour gehoerte auch die besichtigung des marktes der minenarbeiter. er gilt als der einzige oeffentliche markt der welt, an dem man legal dynamit kaufen kann. ausserdem kaufen die minenarbeiter dort 96%igen alkohol, den sie trinken, und cocablaetter, die sie sich in grossen ballen in den mund stopfen. es heisst die saefte des cocas absorbieren einen grossen teil des staubes - doch unbestritten helfen sie den arbeitern auch die langen arbeitstage unter der erde zu ueberstehen, da die blaetter muedigkeit und hungergefuehl unterdruecken. der 96%ige alkohol wird aus zuckerohr hergestellt und in ganz bolivien als schnaps pur oder im mix mit limonade getrunken. in deutschland und den usa soll u.a. mit diesem "treibstoff" (biodiesel aus barasilianischen zuckerohr etanol) die energiekrise ueberwunden werden.

von potosi radelten wir nach 3 wochen weiter nach sucre. die fahrt fuehrte uns etwa 2000 meter runter, so dass wir uns nun in fuer europaeer angenehmerer hoehe befinden. auch die temperaturen werden nun wieder waermer: der winter ist vorbei - gerade regnet es sogar! hier sollte am 8. september das fest zur ehrung der jungfrau von guadalupe gefeiert werden - in aehnlicher weise, wie wir die feste nun ja schon kennengelernt haben. doch da sucre derzeit in demonstrationsstimmung ist, wird dieses fest wohl nicht (nun) gefeiert werden. stattdessen gehen die menschen in grossen maerschen durch die strassen und fordern ein, dass die regierung sich mit der frage befasse, ob sucre "capital plena - ni un paso atras" werde. das heisst, dass es hauptstadt mit allen sitzen und aemtern werde - nicht nur konstitutionelle hauptstadt mit sitz des obersten gerichtshofes. es scheint uns jedoch momentan eine sehr instrumentalisierte demonstration zu sein, die durch die opposition gestuetzt wird, um die regierung zu stoeren. diese ist derzeit damit befasst eine neue verfassung zu erarbeite. dabei gehen die interessen gewaltig auseinander...

fotos zu diesem beitrag findet ihr hier:
Uyuni - Potosi - Cochabamba - Potosi - Sucre

Sonntag, August 05, 2007

in die hohen anden

in salte blieben wir eine weile, um uns von den recht vollen vorhergegangenen wochen zu erholen. wir trafen einige radler und lernten ramon kennen, der dort ein "casa de ciclistas" etabliert hat. als wir schon weiter wollten, kam sogar peter (unser patagonien santiago kumpane) noch in salta an!

bei der weiterreise ging es immer hoeher hinaus. von salta nach san salvador de jujuy und weiter in die schoene quebrada de humahuaca, die weltkulturerbe ist und fuer ihre kirchen und die beeindruckende natuerliche kulisse beruehmt wurde. wir verliessen sie jedoch schon schnell und suchten unseren weg auf den argentinischen teil der puna, wie die hohen anden hier genannt werden. unser tor dort hinauf hiess cuesta de lipan: diese strasse schlaengelt sich ueber viele kilometer mehr als 2000 hoehenmeter die anden hinauf. da britta eine kleine erkaeltung mitgebracht hatte, war die auffahrt sehr muehselig und die atmung wurde immer kuerzer - und dazu wehte der wind in jeder zweiten kurve von vorne. doch einmal oben angekommen (4170m) ging es wieder leicht bergab.

der gran salar war der ertse salzsee dieser groesse den wir sahen: eine weisse kruste, die sich natuerlicher weise in penta- oder hexagone unterteilt, fast bis zum horizont. wir querten diesen und sahen in einer kleinen bar mit ein paar einheimischen das finale des "copa de libertadores", in dem argentinien leider gegen brasilien verlor.

auf der weiterreise trafen wir immer wieder lamaherden und esel, die von ihren besitzern einfach frei laufen gelassen werden. sie tragen zur erkennung bunte faeden in ihren ohren, was sie sehr drollig erscheinen laesst. weiter ab von den kleinen siedlungen sahen wir dann auch die ersten vom aussterben bedrohten vicuñas. diese haben uns an die guanakos erinnert, die wir aus patagonien kannten, sie sind genau so schreckhaft doch viel kleiner und zierlicher.

auch auf dieser hochebene gibt es berge - so mussten wir immer wieder ueber die 4000 meter hinaus fahren und blieben lieber erstmal einen tag in susquez zum aklimatisieren, bevor es ueber den paso de jama nach chile weiter ging. wir bewegten uns ab der grenze einige tage ueber 4200 metern. zwischen durch mussten wir unerwartet noch den hoechsten pass mit 4850m ueberwinden. ab 4500m schien die luft keinen ausreichenden sauerstoff fuer unsere vor anstrengung geplagten lungen bereitzustellen. simon hatte das gefuehl immer einen noch leichteren gang am rad finden zu muessen, nur gab es keinen. zwischendurch musste man einfach stehenbleiben, um erholung zu finden. morgens massen wir temperaturen um die -15 grad in unserem zelt. die schlafsaecke und auch die zeltwaende waren gefroren... zum glueck mussten wir nicht frieren! und sobald die sonne aufging waermte es sich im zelt sogar schnell auf +15 grad auf. eine weitere schwierigkeit der fahrt war der wind, der in der regel mittags einsetzte und uns kalt entgegen blies. so konnten wir auch auf unserer 30 kilometer langen abfahrt nach san pedro de atacama, auf der wir die 2000 hoehenmeter wieder runter fuhren, keine rekordgeschwindigkeiten erreichten.

die kleinen touristischen stadt san padro liegt in der trockensten wueste der welt. wir freuten uns riesig, als wir beim betreten des campingplatzes in unsere radelnden seglerfreunde rannten, die wir in punta arenas kennen gelernt hatten. die kleine welt der radreisenden! neben dem aufwaermen nutzten wir die zeit dafuer, uns auf den bisher schwierigsten teil unserer reise vorzubereiten: die querung des bolivianischen altiplanos ueber eine strasse, die in der regel nur von 4-rad-angetriebenen jeeps befahren wird. da es kein gutes kartenmaterial fuer diese region gibt nutzten wir die erfahrungen anderer radfahrer die im internet karten veroeffentlicht haben.

wir kauften fuer mehr als eine woche ein und nahmen einen lift bis zur bolivianischen grenze, um die 2000 hoehenmeter nicht wieder hinauf fahren zu muessen. so konnte britta ihren geburtstag doch noch, wie gewuenscht, in bolivien verbringen, an der 4350 meter hoch gelegenen laguna blanca, die fast den ganzen tag vereist blieb.

am darauf folgenden tag ging es weiter - vorbei an der laguna verde ueber den paso de condor (4700m) und an den skurrilen piedras de dali vorbei zu den termas de chalviri. die strasse war meist fahrbaer, doch sand, steine und hoehenluft machten es uns nicht leicht, so dass wir das heisse, angenehme wasser erst am naechsten morgen geniessen konnten - gemeinsam mit den insassen von 10 touristen-jeeps, die puenktlich zum sonnenaufgang vorgefahren kamen und zu allem ueberfluss eine flasche wein oeffneten - das war um 6:45 uhr ortszeit.

weiter quaelten wir uns: der wind war stark und wehte uns immerwieder sandig-steinige boeen entgegen. oft konnten wir oft nur stehen bleiben, um uns abzuwenden. wir fuhren an diesem kalten tag nur 15 kilometer, fuer diese benoetigten wir jedoch beinbahe den ganzen tag. als wir fast ganz oben am naechsten pass (4900m) waren, hielt ein jeep an und fragte uns, ob er uns nicht mitnehmen koenne... dieses angebot nahmen wir gerne an! so dass wir in der nacht in einem refugio an der laguna colorado blieben (gemeinsam mit ueber 50 jeeps!).

am naechsten tag fuhren wir entlang der laguna und beobachteten hunderte von flamingos, die durch das rote wasser stolzierten und sich lautstark unterhielten. weiter ging es bergauf ueber eine strecke, wo wir uns den "besten weg" im wahrsten sinne des wortes aussuchen konnten: der gesamte hang war eine "strasse" - und trotzdem mussten wir viel schieben...

die nacht verbrachten wir nahe der naechsten atraktion: dem arbol de piedra (baum aus stein). am abend machte simon uns ein kleines feuer aus dem lokalen brennstoff; ein moos, das sehr harzig ist und getrocknet enorm viel energie hat. so waermten wir uns noch auf, bevor wir in die warmen schlafsaecke krochen. mitten in der nacht wurden wir durch ein unbekanntes geraeusch geweckt: es schneite!!! damit hatten wir nicht gerechnet! am naechsten morgen lagen rund um unser zelt etwa 10 cm schnee und wir befanden uns in dichtem nebel. unter diesen umstaenden war es uns nicht moeglich weiter zu radeln.

wieder gab es nicht nur eine strasse, so dass wir gelegentlich in der ferne ein auto vorbei fahren hoerten, jedoch nichts sahen. als wir schon umkehren wollten, zurueck zum 15km entfernten oertchen, hoerten wir wieder ein auto - unsere augen suchten das nebelfeld ab, und wir konnten kaum glauben, dass das letzte nach norden fahrende auto genau in unserer spur auf uns zu kam! es hielt an und war halb leer, so dass wir uns selber einluden - zum glueck hatten die beiden franzosen nichts dagegen uns mit nach san juan zu nehmen. so legten wir im jeep eine strecke zurueck, fuer die wir mit dem fahrrad unter diesen bedingungen wohl 3-4 tage gebraucht haetten.

von diesem kleinen dorf aus fuhren wir ueber wieder etwas bessere strassen zum salar de uyuni (3650m). das ist der groesste und hoechstgelegene salzsee der welt. ueber reines salz zu fahren war eine voellig neue, einzigartige erfahrung. wir konnten etwa 125 km fahren wo wir wollten - eine strasse gibt es dort nicht. wir folgten meist den spuren der jeeps. manchmal fuhren wir mit geschlossenen augen, so lange wie wir konnten. britta gelang es 1:30 minuten blind zu fahren, was wohl auf ihr urvertrauen in die natur zurueckzufuehren ist. simon schaffte es nicht laenger als 25 sekunden.

nach neun tagen erreichten wir schliesslich unsere erste bolivianische stadt: uyuni. der erste eindruck hier ist gut. die menschen sind zurueckhaltend, doch immer fuer einen scherz zu haben und lachen sehr gerne. wir freuen uns angekommen zu sein und sind froh, es wenigstens versucht zu haben, mit dem rad die gesamte strecke zurueck zu legen. im jeep zu sitzen war fuer uns zwar in dem moment sehr praktisch, doch ist es nicht unsere art zu reisen! es geht zu schnell und die natur fliegt vorbei...

photografische impressionen der strecke? wir haben uns entschieden unsere eintraege ab jetzt aufzuteilen, so dass an dieser stelle nur der text zu finden ist und unter einem link die bilder zu finden sein werden. so koennen wir es unseren englisch- und spanischsprachigen freunden ermoeglichen wenigstens die untertitel der bilder zu verstehen. heute gibt es jedoch nich nichts zu sehen, da die internetverbindung das hochladen von bildern leider nicht zulaesst! ausserdem koennen aufmerksame augen zahlreiche neuerungen in unserem blog finden. auch damit sind wir noch nicht fertig!

und endlich gibt es jetzt die bilder der strecke in einer trilingualen diashow!!!!!

Montag, Juli 09, 2007

schnee, stein, sand und staub

nur radfahren von santiago de chile bis salta in argentinien

nachdem es einige tage geregnet hatte, haben wir santiago de chile bei strahlend blauem himmel verlassen und wurden mit der aussicht auf weisse kappen auf den bergspitzen belohnt. doch schlug das wetter wieder um, noch eher wir die anden ueberqueren konnten, und wir blieben erstmal wieder haengen - dachten wir! doch widererwartend strahlte der naechste tag vor sonnenschein. wir riskierten trotz zahlreicher wahrnungen, das die wichtigste grenz von argentienien und chile wegen schee und eis gesperrt sein sollte, die ueberfahrt ueber den uber 3000m hohen pass. nach ein paar km boten uns strassenarbeite eine mitfahrgelegenheit an, die wir aus angst vor der unpassierbarkeit der strecken gerne annahmen. zu unsere verwunderung war die strasse fast frei von schnee. nur an den strassenraender tuermten sich weisse eiskristalle manchmal ueber 1m hoch.







in argentinien erwartete uns eine seichte abfahrt, durch ein tal, das anfangs noch eisigkalt und schneeweiss war und uns am zweiten tag durch rote felse und temperaturen weit ueber 20 grad beeindruckte. von dort fuhren wir ueber eine ebene, weite strecke, im hintergrund immer die weissen berge. bald folgte ein weiteres flusstal und kurze zeit spaeter strampelten wir eine sandige strasse hinauf auf die erste hochebene. weite und einsamkeit erwarteten uns dort und wir konnten uns garnicht sattsehen an dem, was nicht da war!




auch in diesem teil des landes weht ein starker wind, wie wir in diesen tagen erfahren mussten. vergleichber mit dem, der uns in patagonien entgegenwehte - nur kommt er hier von norden, wo wir gerade hin wollen. nach einer woche radelns, in der wir es genossen wieder in der unberuehrten natur zu sein und nur menschen zu sehen, wenn wir uns den staedtchen naeherten, goennten wir uns einen tag pause in jachal. einer kleinen stadt, in der schon merkbar ist, dass die bevoelkerung sich im norden mehr aus indigenas zusammensetzt.








auf der weiteren strecke wechselten sich farbenpraechtige taeler, in denen fluese uer gruene abwechslung sorgen mit weiten ebenen, die trocken und dornig sind, ab. die dornbuesche und kakteen sorgten dafuer, dass wir einen rekord an platten reifen hatten und beinahe taeglich ein paeuschen einlegen mussten, um diese zu pflicken! Hinzu kam, dass simon auf dieser strecke beinahe alle 200 kilometer eine speiche brach.










einen wunderbaren pausentag legten wir in einem thermalbad in einer schlucht nahe hualfin ein, welches den nachbarn als badewanne dient. bei angenehmen 26 grad konnten sich unsere beantspruchten muskeln entspannen und fuer die letzten kilometer fit werden. wie wir feststellten mussten war es gut, ihnen die pause gegoennt zu haben, denn der naechste tag war hart. auf der sandigen strecke wehte uns ein heisser wind von norden entgegen, der uns bei 36 grad in der mittagshitze das gefuehl gab, auszutrocknen und getoastet zu werden.





die ruinen von quilmes boten uns einen weiteren angenehmen stop: wir durften vor dem eingang zelten und waren am naechsten morgen die ersten besucher, die auf die huegel der anlage kletterten und von oben die wohnanlagen des volkes der quilmes ansahen. sie hatten sich gegen die inka erfolgreich verteidigen koennen und auch den angriffen der spanier lange stand gehalten - als diese sie jedoch regelrecht aushungerten, ging das volk zu grunde. heute leben keine ihrer nachfahren mehr. nun wird die stadt nach und nach durch archaeologen rekonstruiert, die aber noch immer nicht rausgefunden haben, wo dieses volk herkam und nur schwer verstehen, wie sie sich genau organisiert haben. besonders auffallend ist ihr innovatives bewaesserungssystem, ihre ausgefeilte keramiktechnik und dass sie sogar astrologie betrieben haben.





in dem darauf folgenden gebiet wird erfolgreich wein kultiviert. so aenderte sich die aussicht, als wir uns cafayata naehern. die danach folgende "quebrada de concha" ist ein 80 kilometer langes tal, das uns wieder durch seine abstrackte, abwechslungsreiche schoenheit vom weiterfahren abhielt. an diesem tag kamen wir bis nach alemaía - momentmal: deutschland??? da muss doch eine verwechslung vorliegen? nein ein klitzekleiner ort traegt hier den namen alemanía.







nach drei landschaftlich sehr abwechslungsreichen wochen erreichen wir salta. die zeit in dieser durch kolonielbauten gepraegten stadt nutzen wir, um uns auszuruhen. hier ist nun hochsaison und viele touristen, auch einige mit dem fahrrad, sind unterwegs, so dass wir auch das soziale leben ein bischen auskosten koennen...

Mittwoch, Juni 13, 2007

santiago - wo der pfeffer waechst

in santiagos parks konnten wir baeume mit rotem pfeffer finden, daher der titel.

im folgenden gibt es einfach einige fotographische inspirationen dieser faszienirenden stadt und unseren ausfluegen in die naehre und weitere umgebung.
endlich kriegt auch simon mal nen paket. und dann so eins- fast 8 kilo mit suessen und salzigen lieblingen, neuen toepfen, alten zeitungen, ersatzteilen usw.

bellas artes - museum


______________________________________________________
ausflug zum erholungsgebiet cerro san cristobal im centrum von santiago: mit atemberaubendem blick auf den smog der 7.000 000 grossstadt.




______________________________________________________

hoehentraining nummer 1.

auf nach farallones. 40 haarnadelkurven, bis wir nach 1800 hoehenmetern das ziel mit 2300 metern ueber dem meeresspiegel erreichen.





ausblick auf eine grossstadt im eigenen dampft und mist.


leicht geschafft .... in freudiger erwartung einer 1 stuendigen abfahrt
________________________________________________________


hier die neusten radtrends aus santiago - neben retro-raedern, bahnradraedern (fixies, singelspeeds und co) sind shopperbikes mit entsprechendem look angesagt. zudem sehr populaer sind sogenannte moskitos. was sich nach einem drink anhoert, ist ein mit hilfsmotor ausgestattetes normales fahrrad das bei 40 stundenkilometern nach einem moskito klingt - in der radfahrszene sehr verpoent.
________________________________________________________

FAHRRAD DEMO - furiosos cyclistas

fahrrad demo mit den "furiosos cyclistas" .... bestimmt 300 radfahrer fuer mehr fahrrad kultur in santiago und chile. jeden monat findet eine solche demo statt.

"por una ciuda sin contaminacion la bicicleta es la solucion" - fuer einen stadt ohne smog ist das fahrrad die loesung. und santiago braucht eine loesung, das ist sicher.


"es mejor en bici" - besser mit fahrrad ...echt!_________________________________________________________
urlaub im urlaub.

zwei tage in valparaiso als busreisende und staunende liessen wir uns durch die kuenstlerstadt treiben und sogen den flair der auf huegeln errichteten stadt auf....















"apaga la tele - vive tu vida" - mach die glotze aus und lebe dein leben


________________________________________________________
hoehentraining 2.

wochenendausflug in die natur um santiago: mit fahrrad und fuessen auf knapp 3000m.




______________________________________________________

einkauf fuer den last supper im riesen markt.


abschiedsessen: mit dem sushi von unsere ex-nachbarin naoko kann man alle gluecklich machen

schlusswort

wir haben nun fast 3 wunderbare wochen in santiago verbracht. es wird zeit endlich wieder mit dem rad durch einoeden zu brausen, im zelt zu schlafen und das "entbehrungsreiche" leben eines radnomaden zu fuehren, das uns so sehr erfuellt.